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Baustoffe

Gipskartonplatten-Arten: Welche Typen und Ausführungen gibt es?

Verfasst von Max Seitz
Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2026
Lesedauer: 17 Minuten
© Nadya So / istockphoto.com

Alles auf einen Blick:

  • In Deutschland werden Gipskartonplatten nach DIN 18180 in die Plattenarten GKB, GKBI, GKF, GKFI und GKP eingeteilt. Diese entsprechen den europäischen Typen A, H2, DF, DFH2 und P nach DIN EN 520.
  • Imprägnierte Platten (GKBI) eignen sich für Feuchträume wie Badezimmer und Küchen, Feuerschutzplatten (GKF) für brandschutzrelevante Konstruktionen bis F90.
  • Gängige Plattendicken reichen von 0,6 Zentimetern für Formplatten bis 2,5 Zentimetern für Massivbauplatten. Das Format von Standardplatten misst 125 x 200 Zentimeter bei 1,25 Zentimetern Dicke. 
  • Kantenformen wie HRAK, AK oder HRK bestimmen, ob eine Fuge mit oder ohne Bewehrungsstreifen verspachtelt wird.
  • Gipsfaserplatten nach DIN EN 15283-2 zeichnen sich durch eine hohe Stabilität und Belastbarkeit aus und besitzen je nach Ausführung gute Eigenschaften beim Brand- und Schallschutz. Aufgrund ihres dichteren Aufbaus sind sie allerdings vergleichsweise schwer.

Welche Arten von Gipskartonplatten gibt es?

  • Gipskarton-Bauplatten
  • imprägnierte Gipskartonplatten
  • Gipskarton-Feuerschutzplatten
  • imprägnierte Feuerschutzplatten
  • Gipskarton-Putzträgerplatten
  • Hartgipsplatten
  • Schallschutzplatten
  • Akustikplatten
  • Strahlenschutzplatten

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Wie unterscheiden sich die Normen DIN 18180 und DIN EN 520?

Die DIN 18180 ist die deutsche Produktnorm für Gipsplatten, während die DIN EN 520 die europäische Produktnorm für Gipsplatten darstellt. Sie regeln Plattenarten, Mindest-Flächengewichte, Mindest-Steifigkeit und die farbliche Kennzeichnung des Kartons. Unter anderem sichert ein vorgeschriebenes Mindest-Flächengewicht, dass die Schallschutzanforderungen nach DIN 4109 erfüllt werden. Mit der Norm DIN EN 520 wurden Typenbuchstaben (A, D, F, H, P und weitere) sowie die CE-Kennzeichnung eingeführt und die technischen Regeln für den europäischen Binnenmarkt vereinheitlicht. Die DIN 18180 besteht als nationale Anwendungsnorm neben der DIN EN 520 fort. Sie schließt Lücken, die die europäische Norm offenlässt, etwa bei den Mindest-Flächengewichten für Feuerschutzplatten oder den strengen farblichen Kennzeichnungsregeln. In der Praxis sind deshalb auf den Produktetiketten deutscher Hersteller stets beide Normen angegeben. [2] 

Was bedeuten die Bezeichnungen GKB, GKBI, GKF, GKFI und GKP?

Die Kürzel GKB, GKBI, GKF, GKFI und GKP bezeichnen unterschiedliche Arten von Gipskartonplatten im Trockenbau und geben Hinweise auf deren Eigenschaften und Einsatzbereiche. Grundlage ist jeweils eine Platte mit einem Kern aus Rigips, der auf beiden Seiten mit Karton ummantelt ist. Je nach Zusammensetzung des Gipskerns, zusätzlicher Imprägnierung und besonderen Anforderungen unterscheiden sich die Platten beispielsweise hinsichtlich Feuchte- oder Brandschutz im Trockenbau.

Was bedeuten die Typenbezeichnungen nach DIN EN 520?

Art der GipskartonplatteBezeichnung DIN 18180Typ DIN EN 520Kartonfarbe
Gipskarton-BauplatteGKBAblau/grau
Gipskarton-Bauplatte imprägniertGKBIH2grün
Gipskarton-FeuerschutzplatteGKFDFrot
Gipskarton-Feuerschutzplatte imprägniertGKFIDFH2grün
Gipskarton-PutzträgerplatteGKPPvariabel

Die früher gebräuchlichen deutschen Kurzzeichen nach DIN 18180 werden heute durch Typenbezeichnungen nach DIN EN 520 ergänzt beziehungsweise ersetzt. So entspricht eine klassische Gipskarton-Bauplatte beispielsweise dem Typ A, während imprägnierte oder spezielle Brandschutzplatten zusätzliche Kennbuchstaben erhalten. In der Praxis sind die älteren Bezeichnungen wie GKB oder GKFI dennoch weiterhin weit verbreitet. [1] 

Zusätzlich erleichtert die farbliche Kennzeichnung des Kartons beziehungsweise der Beschriftung die schnelle Zuordnung auf der Baustelle. Die Farbe allein sollte jedoch nicht als verbindliches Auswahlkriterium dienen, da entscheidend immer die Typenbezeichnung und die technischen Angaben des Herstellers sind.

GUT ZU WISSEN
Eine Rigipsplatte kann mehrere Buchstaben tragen. So vereint der Typ DF beispielsweise Anforderungen an Dichte und Feuerschutz, während der Typ DFH2 zusätzlich feuchteresistent und damit stärker wasserbeständig ist. Die DIN EN 520 unterscheidet bei der Feuchtigkeitsaufnahme drei Stufen von H1 bis H3. In Deutschland entspricht die übliche Qualität dem Typ H2 mit einer maximalen Gesamtwasseraufnahme von zehn Prozent und einer maximalen Oberflächenaufnahme von 180 Gramm pro Quadratmeter.

Welche Gipskartonplatte eignet sich für welchen Einsatzbereich?

Plattegeeignete Einsatzbereiche
GKB bzw. Typ Atrockene Wohn- und Schlafräume Wand- und Deckenverkleidungen in trockenen Bereichen
GKBI bzw. Typ H2Räume mit zeitweise erhöhter Luftfeuchtigkeit wie Bäder
GKF bzw. Typ DFGipskartonwände und Decken mit Brandschutzanforderungen
GKFI bzw. Typ DFH2Feuchträume, in denen zusätzlich Anforderungen an den Brandschutz bestehen
GKP bzw. Typ PWände und Decken, die anschließend verputzt werden sollen

Die Wahl der passenden Platte richtet sich nach den Anforderungen des jeweiligen Raums. Liegt dieser in einem Mehrfamilienhaus, gelten in der Regel strengere Brand- und Schallschutzanforderungen als in einem Einfamilienhaus. Ein Blick in die Landesbauordnung und die jeweiligen Systemprüfzeugnisse der Hersteller gibt Aufschluss über die vorgeschriebenen Konstruktionen.

Welche Gipskartonplatten eignen sich für Feuchträume und Badezimmer?

Für Feuchträume wie Badezimmer, Küchen und Gäste-WCs eignen sich imprägnierte Gipskartonplatten, also Typ H2. Ihr Gipskern ist mit Silikonverbindungen behandelt, die die Wasseraufnahme begrenzen. Zusätzlich enthalten viele Feuchtraumplatten ein Fungizid, das die Ansiedlung von Schimmelpilzen hemmt. Die DIN EN 520 sieht die drei Feuchtigkeitsstufen H1, H2 und H3 vor. In Deutschland ist der Typ H2 Standard. Er begrenzt neben der Gesamtwasseraufnahme auch die Feuchtigkeitsaufnahme über die Oberfläche auf höchstens 180 Gramm pro Quadratmeter. 

Die Platten sind nur feuchtebeständig beziehungsweise wasserbeständig jedoch nicht vollständig wasserdicht. In Bereichen mit unmittelbarem Spritzwasser, wie beispielsweise an Duschen oder Badewannen, muss die Oberfläche deshalb zusätzlich fachgerecht abgedichtet werden. Dafür eignen sich Abdichtungsbahnen, Dichtbänder oder flüssige Verbundabdichtungen. Bestehen im Feuchtraum gleichzeitig Anforderungen an den Brandschutz, werden GKFI-Platten, also Feuchtraumplatten des Typs DFH2 eingesetzt. Sie verbinden eine reduzierte Wasseraufnahme mit einem Kern aus Rigips, der bei hohen Temperaturen länger zusammenhält. Verwenden Sie imprägnierte Platten auch an angrenzenden Trockenbauflächen, die Feuchtebelastung aus Nachbarräumen ausgesetzt sein können. Ein Fachbetrieb kann prüfen, ob die Luftfeuchtigkeit im Raum dauerhaft unter 70 Prozent bleibt und somit problemlos Gipskartonplatten mit dem Typ 2 verwendet werden können. 



Welche Gipskartonplatten werden für den Brandschutz verwendet?

Für Trockenbaukonstruktionen mit Brandschutzanforderungen werden Gipskarton-Feuerschutzplatten verwendet. Sie tragen gemäß DIN 18180 die Bezeichnung GKF und nach DIN EN 520 in der Regel den Typ DF. Ihr Gipskern besitzt eine definierte Mindestdichte und ist in der Regel mit Fasern verstärkt. Dadurch bleibt der Kern bei hohen Temperaturen länger zusammen als bei einer einfachen Gipskarton-Bauplatte. Gips enthält chemisch gebundenes Kristallwasser. Bei einem Brand wird dieses Wasser als Wasserdampf freigesetzt und entzieht der Konstruktion Wärme. 

Gipskartonplatten mit geschlossener Oberfläche können nach DIN 4102, der Norm zum baulichen Brandschutz in die Baustoffklasse A2 (nicht brennbar) eingestuft werden, die konkrete Klassifizierung hängt jedoch vom jeweiligen Produkt und dessen Prüfzeugnis ab. [3] Die Feuerwiderstandsklasse einer Trockenbauwand bezieht sich auf die gesamte Konstruktion, also Platte, Unterkonstruktion und Dämmung zusammen, und ist im Systemprüfzeugnis des Herstellers dokumentiert.

Welche Feuerwiderstandsklassen gibt es bei Trockenbauwänden mit Gipskarton?

  • F30 (feuerhemmend): 30 Minuten Widerstand. Einlagige Beplankung mit GKF ab 12,5 Millimetern reicht in der Regel aus. Mindestwandstärke rund 75 Millimeter.
  • F60 (hochfeuerhemmend): 60 Minuten Widerstand. Je nach Konstruktion ein- oder zweilagig, häufig mit Mineralwolledämmung.
  • F90 (feuerbeständig): 90 Minuten Widerstand. Erfordert in der Regel eine Doppelbeplankung mit GKF auf jeder Seite der Unterkonstruktion plus nicht brennbare Mineralwolledämmung. Die Gesamtdicke der Wand beträgt dann mehr als 100 Millimeter.

Welche Spezialplatten gibt es bei Gipskartonplatten?

  • Schallschutzplatten
  • Massivplatten
  • Formplatten
  • Verbundplatten
  • Strahlenschutzplatten
  • Hartgipsplatten
  • Brandschutz-Spezialplatten
  • Feuchtraum-Spezialplatten

Schallschutzplatten und Akustikplatten

Schallschutzplatten besitzen meist eine höhere Rohdichte und damit ein größeres Flächengewicht als Standardplatten. Dadurch können sie innerhalb eines abgestimmten Wandaufbaus die Schalldämmung verbessern und so die Schallübertragung in andere Räume oder nach außen mindern. Akustikplatten, die für Akustikdecken und -wänden verbaut werden, verfolgen dagegen vor allem das Ziel, den Nachhall im Raum zu reduzieren. Dafür besitzen sie häufig gelochte oder geschlitzte Oberflächen sowie rückseitige Akustikvliese.

Massivplatten

Massivplatten sind besonders robuste Gipskartonplatten mit erhöhter Dicke, Dichte oder Festigkeit. Sie eignen sich für Wände mit höheren mechanischen Anforderungen, werden meist im Massivbau verwendet und können je nach System auch Vorteile beim Schall- und Brandschutz bieten. Typische Einsatzbereiche im Massivbau sind stärker beanspruchte Innenwände und Konstruktionen, an denen höhere Lasten befestigt werden sollen.

Formplatten

Formplatten sind dünne und besonders biegsame Gipskartonplatten, die sich für gebogene Wand- und Deckenkonstruktionen eignen. Mit ihnen lassen sich beispielsweise Rundungen, gewölbte Decken oder dekorative Trockenbauelemente herstellen. Aufgrund ihrer geringen Dicke werden sie häufig mehrlagig verarbeitet.

Verbundplatten

Verbundplatten bestehen aus einer Gipskartonplatte, die werkseitig mit einer zusätzlichen Funktionsschicht verbunden ist. Dabei kann es sich beispielsweise um Dämmstoffe zur Verbesserung des Wärme- oder Schallschutzes im Trockenbau handeln. Sie ermöglichen es, mehrere Anforderungen mit einem Bauteil zu erfüllen und können dadurch den Montageaufwand reduzieren.

Strahlenschutzplatten

Strahlenschutzplatten werden in Bereichen eingesetzt, in denen Schutz vor Röntgenstrahlung erforderlich ist, beispielsweise in Arztpraxen, Kliniken oder radiologischen Einrichtungen. Je nach Produkt enthalten sie spezielle strahlenabsorbierende Bestandteile oder werden mit entsprechenden Schutzschichten kombiniert. Sie können eine Alternative zu klassischen Bleischutzkonstruktionen darstellen.

Hartgipsplatten

Hartgipsplatten besitzen eine besonders harte und widerstandsfähige Oberfläche sowie eine erhöhte mechanische Festigkeit. Sie eignen sich deshalb für stark beanspruchte Bereiche wie Flure, Schulen, Krankenhäuser oder öffentliche Gebäude. Je nach Produkt können sie zusätzlich erhöhte Anforderungen an Schallübertragung und Dämmung, Brand- oder Lastaufnahme erfüllen.

Brandschutz-Spezialplatten

Brandschutz-Spezialplatten sind für Trockenbaukonstruktionen mit besonders hohen Anforderungen an den Feuerwiderstand ausgelegt. Ihr Gipskern ist häufig verdichtet oder zusätzlich mit Fasern und weiteren Bestandteilen verstärkt. Entscheidend für die Feuerwiderstandsklasse ist jedoch immer der geprüfte Gesamtaufbau aus Beplankung, Unterkonstruktion und Dämmung. Gerade in öfffentlichen Gebäuden gelten strengere Brandschutzauflagen als im privaten Gebäude.

Feuchtraum-Spezialplatten

Feuchtraum-Spezialplatten besitzen eine reduzierte Wasseraufnahme und sind für Räume mit erhöhter Feuchtebelastung vorgesehen. Sie kommen beispielsweise in Bädern, Küchen oder vergleichbaren Innenräumen zum Einsatz. Für dauerhafte stark Nassräume müssen jedoch speziell dafür zugelassene Plattensysteme verwendet werden.

Wie werden Akustikdecken aus Gipskarton ausgeführt? 

Eine Akustikdecke aus Gipskarton wird häufigabgehängt montiert. Dabei werden spezielle Akustikplatten auf einer Unterkonstruktion befestigt und mit einem Abstand zur Rohdecke angeordnet. Durch gelochte oder geschlitzte Oberflächen sowie eine zusätzliche Dämmung im Deckenhohlraum kann der Nachhall im Raum reduziert und die Raumakustik verbessert werden.

Welche Plattendicken und Formate gibt es bei Gipskartonplatten?

Das Standardformat einer Gipskartonplatte beträgt 1,25 Meter in der Breite und 2 Meter in der Länge bei einer Dicke von 12,5 Millimetern. Darüber hinaus sind Längen von 2,5 Metern, 2,6 Metern und bis zu 4 Metern erhältlich. Für die Einzelverarbeitung ohne Helfer gibt es sogenannte Einmannplatten mit einer Breite von 60 oder 62,5 Zentimetern, die sich leichter transportieren und montieren lassen.

Gipskartonplatten-Arten: Wann eignen sich welche Plattendicken?

Dicketypischer Einsatz
6 mmRenovier- und Formplatten für gebogene Flächen
9,5 mmTrockenputz Deckenbekleidungen in trockenen Räumen
12,5 mmStandarddicke für Wand- und Deckenverkleidungen zum Trennwand bauen
15 mmerhöhter Brandschutz Schallschutz Deckenbekleidungen mit höheren Anforderungen
18 bis 20 mmGipskartonwände im Massivbau Schallschutzwände Brandschutzverkleidungen
25 mmHochleistungsplatten für F90-Konstruktionen und hohe Lasten

Was wiegen Gipskartonplatten?

Eine Standardplatte wiegt rund 22 bis 25 Kilogramm. Dichtere Spezialplatten, etwa Feuerschutz-, Schallschutz- oder Hartgipsplatten, können deutlich schwerer ausfallen. Bei größeren Wandflächen oder einer Doppelbeplankung summiert sich das Gewicht daher schnell auf mehrere Hundert Kilogramm. Neben dem Eigengewicht der Trockenbauplatten kommen außerdem Unterkonstruktion, Dämmung und weitere Bauteile hinzu. Besonders bei Altbauten oder Holzbalkendecken kann es deshalb sinnvoll sein, vor der Montage zu prüfen, ob die vorhandene Decke die zusätzliche Last sicher aufnehmen kann.



Wie werden Gipskartonplatten auf einem Ständerwerk befestigt?

Gipskartonplatten werden im Trockenbau meist auf einem Ständerwerk aus Holz oder Metallprofilen befestigt. Solche Ständerwände bestehen aus der tragenden Unterkonstruktion, der Beplankung und je nach Anforderung aus einer zusätzlichen Dämmung im Hohlraum. Auch abgehängte Decken werden häufig mit einem Trockenbauprofil, sprich einer Unterkonstruktion aus Metallprofilen ausgeführt und anschließend mit Gipskartonplatten beplankt. Welche Gipskartonplatten sich für die Ständerwand eignen, hängt vom jeweiligen Einsatzbereich ab. Bei einfachen Raumtrennungen reichen für Gipskartonwände meist Standardplatten, während bei Anforderungen wie erhöhter Feuchtigkeitsbeständigkeit in Nassräumen entsprechend geeignete Spezialplatten verwendet werden.

GUT ZU WISSEN
Vorhandene Bewegungsfugen des Gebäudes sollten auch in der Trockenbaukonstruktion übernommen werden. Werden sie starr mit Gipskartonplatten überdeckt, können Bewegungen des Baukörpers Spannungen verursachen und zu sichtbaren Rissen an Fugen oder Plattenstößen führen.

Wie viel Verschnitt sollte bei der Arbeit mit Gipskartonplatten eingeplant werden? 

Kalkulieren Sie bei der Materialplanung etwa 10 bis 15 Prozent Verschnitt zusätzlich zur eigentlichen Fläche ein. Der genaue Bedarf hängt unter anderem vom Raumzuschnitt, der Plattengröße und der Anzahl notwendiger Ausschnitte für Türen, Fenster, Steckdosen oder Installationen ab. Bei geraden, großflächigen Wänden fällt meist weniger Verschnitt an als bei verwinkelten Flächen oder vielen Detailanschlüssen. Mit einer zusätzlichen Materialreserve lassen sich Zuschnitte, Randstücke und mögliche Beschädigungen bei Transport oder Verarbeitung ausgleichen. Außerdem vermeiden Sie, dass während der Arbeiten einzelne Trockenbauplatten nachgekauft werden müssen und sich die Montage dadurch unnötig verzögert.

Wann benötigt man Hohlraumdübel?

Für die Befestigung von Regalen, Leuchten oder anderen Gegenständen an Gipskartonwänden kommen spezielle Hohlraumdübel zum Einsatz. Sie spreizen oder verklammern sich hinter der Platte und verteilen die Last auf eine größere Fläche. Welche Dübelart und Tragfähigkeit geeignet ist, hängt unter anderem von der Plattendicke, der Anzahl der Lagen an Beplankung und dem Gewicht des zu befestigenden Gegenstands ab. Bei hohen Lasten sollte die Befestigung möglichst direkt an der Unterkonstruktion oder an einer dafür vorgesehenen Verstärkung erfolgen. Werden Befestigungspunkte später wieder entfernt, können die entstandenen Öffnungen geschlossen und die betreffenden Stellen verspachtelt werden.

Welche Kantenarten gibt es bei Gipskartonplatten und wofür werden sie verwendet?

KantenformKürzelVerwendung und Verspachtelung
halbrunde abgeflachte KanteHRAKje nach Spachtelsystem und Spachtel-Qualitätsstufe auch ohne Bewehrungsstreifen verspachtelbar
abgeflachte KanteAKVerspachtelung in der Regel mit Bewehrungsstreifen aus Glasfaser oder Papier sorgt für besonders ebene Fugen
halbrunde KanteHRKschmalere Fuge einfache Verarbeitung Verspachtelung ohne Bewehrungsstreifen möglich
runde KanteRKhauptsächlich bei Putzträgerplatten sichtbare Fuge bleibt erhalten
volle KanteVKvor allem bei Bodenplatten und speziellen Montagearten ohne Verspachtelung
GUT ZU WISSEN
Die Querkanten, auch Stirnkanten genannt, sind bei den meisten Platten scharfkantig, also sehr gerade geschnitten. Bei einigen Plattenformaten mit zwei Metern Länge sind die Querkanten zusätzlich angefast, was die Verspachtelung an den Stoßkanten erleichtert. Standard-Gipskartonplatten haben produktionsbedingt nur an den beiden Längskanten ein Kantenprofil und werden im Versatz verlegt, um Kreuzfugen zu vermeiden. Sind sämtliche Fugen und Schraubenköpfe fachgerecht verspachtelt, kann die Oberfläche anschließend je nach gewünschter Qualitätsstufe geschliffen und weiter beschichtet werden.

Was unterscheidet Gipskartonplatten von Gipsfaserplatten?

Gipskartonplatten haben einem Gipskern mit beidseitiger Kartonummantelung, während Gipsfaserplatten aus einem homogenen Gemisch aus Gips und eingebetteten Zellulosefasern aus Altpapier bestehen. Die Fasern wirken dabei wie eine innere Verstärkung und machen Gipsfaserplatten in der Regel stabiler und belastbarer. Gipsfaserplatten sind nach DIN EN 15283-2 genormt.

Aus dem unterschiedlichen Aufbau ergeben sich auch verschiedene Einsatzbereiche. Gipskartonplatten sind die gängige und meist wirtschaftlichere Lösung für klassische Trockenbauarbeiten im Wohnbereich. Gipsfaserplatten kommen vor allem dann infrage, wenn eine höhere mechanische Belastbarkeit, erhöhte Anforderungen an den Brandschutz oder der Einsatz als Bodenplatte beziehungsweise Trockenestrichelement gefragt sind.

Gipskartonplatten und Gipsfasterplatten im Vergleich 

EigenschaftGipskartonplatte (GKB)Gipsfaserplatte (GFP)
BrandklasseA2 (ab 12,5 mm)A1 oder A2
Feuchteresistenzgering (GKB) verbessert bei GKBIMaterial geringer feuchteempfindlich als GKB
Stabilität und Tragfähigkeitmittel bei Hartgipsplatten höherhoch auch einlagig für höhere Lasten geeignet
Verarbeitungeinritzen und brechen möglich damit auch leicht zu schneideneinritzen und brechen möglich Kanten fransen stärker aus
Oberflächenbehandlungtapezieren streichen verputzen (GKP)harte, glatte Oberfläche kann gut tapeziert werden Tapeten leichter ablösbar
Einsatz als Bodenplatteneinja, als Trockenestrichelement
Preispreiswerthochpreisig

Diese 5 Dinge sollten Sie beachten

  1. Prüfen Sie vor dem Kauf die Anforderungen der Landesbauordnung und die Systemprüfzeugnisse des Herstellers, insbesondere bei Brand- und Schallschutzwänden.
  2. Lagern Sie Gipskartonplatten immer flach und trocken, da Feuchtigkeit den Gipskern aufweichen und die Platten dauerhaft verformen kann.
  3. Wählen Sie Plattentyp, Dicke und Kantenform passend zum Einsatzbereich, damit die Konstruktion die geforderten Eigenschaften erfüllt und sich fachgerecht verarbeiten lässt.
  4. Planen Sie Leitungen, Steckdosen, Schalter und Sanitäranschlüsse, bevor Sie die Unterkonstruktion vollständig mit Gipskartonplatten verkleiden. Nachträgliche Änderungen können aufwendig sein und möglicherweise die fertige Oberfläche beschädigen.
  5. Übernehmen Sie vorhandene Bewegungsfugen des Gebäudes in die Trockenbaukonstruktion. Werden solche Fugen starr mit Gipskarton überdeckt, können durch Bewegungen des Baukörpers sichtbare Risse entstehen. 


Fazit

Gipskartonplatten gibt es in einer Vielzahl von Typen, Dicken und Kantenformen, die jeweils auf bestimmte Anforderungen zugeschnitten sind. Die Wahl zwischen GKB, GKBI, GKF, GKFI und GKP sowie Spezialplatten hängt vom Einsatzort und den baulichen Anforderungen ab. Von Vorteil ist es außerdem, wenn Sie die Unterschiede zwischen den Normen DIN 18180 und DIN EN 520 sowie die farblichen Kennzeichnungen der Trockebauplatten kennen. Bei komplexen Konstruktionen mit Brand- oder Schallschutzanforderungen empfiehlt sich die Beratung durch einen Trockenbau-Fachbetrieb, der die passenden Systemlösungen kennt und diese normgerecht umsetzt.

Gipskartonplatten-Arten: Häufig gestellte Fragen 

Kann man Gipskartonplatten kleben?

Gipskartonplatten können im Trockenputzverfahren mit einem speziellen Ansetzbinder direkt auf geeignete massive Wände geklebt werden. Voraussetzung ist ein trockener, tragfähiger und ausreichend fester Untergrund. Für Decken und Dachschrägen ist das Kleben dagegen nicht geeignet, hier werden die Platten auf einer Unterkonstruktion mechanisch befestigt.

Warum kann es bei nichttragenden Gipskartonwänden zu Rissbildung kommen?

Werden Anschlüsse zu starr ausgeführt oder vorhandene Bewegungsfugen nicht übernommen, kann es durch Setzungen oder Bauteilbewegungen zu Rissbildung an Fugen und Übergängen kommen. Gipskartonwände sind in der Regel nichttragend und müssen Bewegungen der angrenzenden Bauteile aufnehmen können, ohne selbst Lasten aus dem Gebäude zu übernehmen. Auch ein unebener Untergrund kann dazu führen, dass Spannungen entstehen und sich Platten nicht sauber ausrichten lassen. Deshalb sind fachgerecht ausgeführte Anschlüsse, Bewegungsfugen und eine Unterkonstruktion frei von Unebenheiten besonders wichtig.

Können Gipskartonplatten im Außenbereich verwendet werden?

Gipskartonplatten sind nicht für den Außenbereich geeignet, da Feuchtigkeit, Frost und starke Temperaturschwankungen können den Gipskern aufweichen und die Kartonummantelung beschädigen. Das gilt auch für imprägnierte GKBI-Platten, da diese lediglich für zeitweise feuchte Innenräume vorgesehen und nicht dauerhaft witterungsbeständig sind. Für Fassaden, Dachüberstände oder andere Außenflächen sollten Sie deshalb ausschließlich dafür zugelassene Bauplatten und geprüfte Außensysteme verwenden.

Wie werden alte Gipskartonplatten richtig entsorgt?

Je nach kommunaler Regelung können Sie das Material auf einem Wertstoffhof oder bei einem Entsorgungsfachbetrieb als gipshaltigen Baustoff abgeben. Stark verunreinigte Platten, beispielsweise mit Dämmstoffen, Tapetenresten oder anderen Baustoffen, können anders eingestuft werden als sortenreiner Gipskarton. Informieren Sie sich im Vorfeld über die örtlichen Annahmebedingungen, wie Sie am besten alte Gipskartoplatten entsorgen können.

Was ist eine Gipsplatte mit Glasfaservlies?

Gipsplatten mit Glasfaservlies besitzen eine Oberfläche aus Glasfasern beziehungsweise eine glasfaserverstärkte Ummantelung. Dadurch können sie je nach Produkt widerstandsfähiger gegenüber Feuchtigkeit, mechanischer Beanspruchung oder hohen Temperaturen sein als klassische kartonummantelte Gipskartonplatten. Welche Eigenschaften tatsächlich erfüllt werden, hängt jedoch vom jeweiligen Plattentyp und dessen Herstellerzulassung ab.

Quellen

[1] „DIN Media – Normen, Standards & Fachliteratur kaufen – seit“. dinmedia, www.dinmedia.de/de/norm/din-en-520/121015950. Zugegriffen 1. Oktober 2026.

[2] Gips.de, www.gips.de/fileadmin/user_upload/download/umwelt_und_forschung/umwelt_deklarationen/Aktuelle_EPDs/EPD-GIPSPLATTE_NACH_DIN_EN_520_UND_DIN_18180_04.04.22-03.04.27.pdf. Zugegriffen 1. Oktober 2026.

[3] „Veröffentlichung der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen“. Dinmedia.de, www.dinmedia.de/resource/blob/253088/292b06d03b4025a15090f4da7468443c/mvv-tb-data.pdf. Zugegriffen 2. Oktober 2026.

Über unsere*n Autor*in
Max Seitz verstärkt die Redaktion als Werkstudent im Ratgeber- und Videobereich. Nach seinem Praktikum wechselte er in seine aktuelle Position, in der er seine journalistische Ausbildung an der Hochschule Ansbach nutzt, um komplexe Themen rund um Heimwerken und Garten fachkundig aufzubereiten. Die Basis für seine Expertise bildet handwerkliche Praxis, denn neben umfassenden Sanierungsprojekten im privaten Umfeld sammelte er zwei Jahre lang als Hausmeister fundierte Erfahrung in der Instandhaltung und Technik. Dieses praktische Know-how kombiniert er gezielt mit seinem journalistischen Anspruch, um komplexe Abläufe in klare, direkt umsetzbare Lösungen für die Leser zu übersetzen.